Drei Fragen an Dr. Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbandes Bitkom
Social-Media-Verbot für Jugendliche
Kinder müssen vor schädlichen Applikationen geschützt werden, sagt der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Dr. Ralf Wintergerst. Aber technische Vorkehrungen haben Grenzen.
Herr Dr. Wintergerst, was hält der Digitalverband Bitkom vom SocialMedia-Verbot für unter 16-Jährige?
Generell muss die Verweildauer bei Social Media von heranwachsenden Jugendlichen geregelt werden. Wir warnen aber davor, das rigoros umzusetzen. Digitale Medien und Bildung sind für Schülerinnen und Schüler heute wahnsinnig wichtig. Wären sie gut vorbereitet, würde sich vermutlich die Frage „Social-Media-Verbot“ in der Form gar nicht stellen. Wobei: Social Media ist ein Einzelthema, durch die speziellen Applikationen, wo die Kinder vielleicht viel zu lang drauf schauen.
Sie sind selbst Vater von zwei pubertierenden Kindern, wie läuft das bei Ihnen zu Hause, kann man das überprüfen?
Nun, erst mal kriegen sie Zeitvorgaben. Die haben nur ein bestimmtes Limit, wo sie das machen dürfen. Sie nutzen es ja auch als Kommunikationsmedium mit ihren Freunden und Freundinnen. Und der zweite Punkt ist: Durchlaufende Reels, 90-Sekunden-Videos, dürfen sie schlichtweg nicht nutzen. Sie haben natürlich Recht, auch meine Frau und ich können das nicht den ganzen Tag lang kontrollieren, dazu braucht es auch Vertrauen in die eigenen Kinder. Als Eltern können wir das ein bisschen kontrollieren. Das ist ja das Schöne an digitalen Endgeräten: Alle gemachten Aktivitäten können nachvollzogen werden, aber wir vertrauen auch unseren Kindern.
Strikte Einschränkungen sind das Eine, die Umsetzung das Andere. Beim Social-Media-Verbot habe ich Zweifel, ob das vom Staat überprüft werden kann ...
Dafür empfehle ich technische Lösungen, die allerdings nur möglich sind, wenn die Konzerne mitspielen. Gleichzeitig werden junge Menschen Wege finden, die Sperren zu umgehen. Ich nenne die berühmte Altersprüfung: Da macht der Freund die Anmeldung und die Freundin, drei Jahre jünger, nutzt den Zugang. Irgendwann ist aber auch eine Grenze der technischen Möglichkeiten erreicht. Wir Älteren haben es irgendwie auch geschafft, als Teenies nach 22 Uhr noch in der Disco rumzutanzen. So schaffen es Jugendliche heute, technische Sperren immer wieder neu zu umgehen.
Sommerbilanz
Der Deutsche Wetterdienst hat zum meteorologischen Herbstanfang (1. September) eine vorläufige Bilanz des Hitzesommers gezogen. Demnach gab es Hitzewellen, Dürren und Unwetter „in Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden“. Temperaturen erreichten phasenweise deutlich über 40 Grad, Nächte waren tropisch. Die anhaltende Dürre hatte Folgen für Landwirtschaft und Flussschifffahrt und begünstige große Wald- und Vegetationsbrände. Modellberechnungen, mit denen sich abschätzen lässt, inwieweit der von Menschen verursachte Klimawandel zu den Extremverhältnissen beigetragen hat, kamen zu dem Ergebnis: Ohne Klimawandel wären Hitzewellen dieses Ausmaßes „statistisch unmöglich“ gewesen. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts sind infolge der Hitze knapp 16.000 Menschen gestorben. Dabei wurde der Zeitraum von April bis Mitte August mit den beiden großen Hitzewellen im Juni sowie den ersten Augustwochen betrachtet.