Die Erfahrung ist nicht neu: Da bahnt sich ein unerfreuliches Ereignis an und kommt am Ende nicht wirklich unerwartet. Aber wenn es dann tatsächlich eintritt, ist es dann doch noch mal etwas anderes und erfahrungsgemäß besonders schmerzhaft. Auch weil dann klar wird, dass es wohl ein Fehler war, kleinere Zwischenereignisse auf dem Weg dorthin noch etwas kleiner zu reden. Was menschlich vielleicht sogar nachvollziehbar ist, erlaubte es doch, erst mal nichts großartig ändern zu müssen. Es war halt noch nicht wirklich so dramatisch. Gemäß dem „Kölsche Grundgesetz“: Et hätt noch immer jot jejange.
Geht es aber bekanntlich leider nicht immer. Und dann sind ganz viele einigermaßen „erschreckt“, „entsetzt“ oder „geschockt“ ob dieser „Zäsur“. Wie eben nach der Wahl in Sachsen-Anhalt.
Deren Ergebnis muss natürlich erst einmal „gründlich analysiert“ werden, und natürlich braucht es jetzt eine „gute Politik“ (aus Berlin), schließlich würden Menschen erwarten, dass „der Staat funktioniert“. Was ja grundsätzlich nicht falsch ist. Gehört haben wir das schon oft, wenn im Landtag Wahlergebnisse zu besprechen waren. Trotzdem war es diesmal anders.
Nach Sachsen-Anhalt ist deutlich, dass die Wahl eine Woche zuvor zur Regionalversammlung Saarbrücken wohl doch kein so singuläres Ergebnis war mit ihren Zugewinnen für die AfD und den deutlichen Verlusten für die CDU.
Die nächste Landtagswahl ist in gut einem halben Jahr (April 2027). Das Saarland ist nicht Sachsen-Anhalt, aber eben auch keine isolierte Insel der Glückseligen.
Insbesondere die CDU, die gerade ihren Partei- und Fraktionschef Stephan Toscani offiziell zum Spitzenkandidaten gekürt hat, steht nach diesen Wahlen unter Druck.
Letztlich gilt das aber für alle anderen jenseits der AfD ähnlich.
Und wenn schon „Zäsur“: Wie wäre es damit, mal nicht nur an Wahlkampfstrategien zu basteln und „Politik besser erklären“ zu wollen, sondern rauszugehen, da zu sein, zuzuhören – und sich mal einiges erklären zu lassen?
Zugegeben: Auch keine allzu neue Idee. Aber an der Zeit.