In gut 45 Jahren hat Tom Hanks in knapp 70 Filmen mitgespielt. Und dabei immer wieder scheinbar mühelos sein Ausnahmetalent als Schauspieler bewiesen. Eine kleine Chronologie seiner wichtigsten Rollen.
Seine Rollen reichen von A wie As-tronaut bis Z wie Zellenwärter. Dazwischen finden sich eine Vielzahl unterschiedlichster Figuren, denen Tom Hanks auf seine unverwechselbare, unaufgeregte Art Leben eingehaucht hat.
Big (1988)
Tom Hanks ist in dieser herrlich ausgelassenen Fantasy-Komödie ein eigentlich zwölfjähriger Junge, dem – durch einen magischen Jahrmarktsautomaten – der Wunsch erfüllt wird, über Nacht erwachsen zu werden. Hanks spielt „das Kind im Manne“ mit einer wunderbar fröhlichen Arglosigkeit und ist dabei urkomisch und rührend zugleich. Die berühmte Tanzeinlage auf dem Fußbodenklavier, die Hanks an der Seite seines Filmpartners Robert Loggia darbot, wurde schnell zu einem Popkultur-Phänomen. Mit diesem Film schaffte Tom Hanks endgültig den Durchbruch in Hollywood.
Schlaflos in Seattle (1993) & E-m@il für Dich (1998)
In diesen romantischen Komödien an der Seite von Meg Ryan wurde Tom Hanks zum „besten romantischen Schauspieler seiner Generation“ („Time Magazine“). Im ersten Film spielt er einen Witwer in Seattle, Ryan eine Journalistin in Baltimore. Beide sind füreinander bestimmt, obwohl sie es (noch) nicht wissen. Am Ende finden sie schließlich doch zueinander. In der zweiten Rom-Com mündet eine Online-Romanze in ein echtes Happy End, obwohl Hanks und Ryan eigentlich geschäftliche Rivalen sind. Trotz einiger Irrungen und Wirrungen finden sie doch zueinander. Beide Filme waren Kassenschlager und machten Hanks endgültig zum Weltstar.
Philadelphia (1993)
In seiner ergreifenden und zu Recht oscarprämierten Darstellung in „Philadelphia“ ist Tom Hanks der erfolgreiche junge Yuppie-Rechtsanwalt Andrew Beckett. Es gibt allerdings zwei Dinge, die Beckett auf keinen Fall in die Öffentlichkeit tragen will: dass er schwul ist und dass er sich mit Aids infiziert hat. Als erste Spuren seiner Erkrankung sichtbar werden, wird er durch einen vorgeschobenen Grund entlassen. Doch er gibt nicht klein bei, sondern verklagt seinen ehemaligen Arbeitgeber wegen Diskriminierung und verlangt außerdem noch eine saftige Entschädigung. Zu seiner großen Überraschung will ihn aber in dieser heiklen Sache kein Anwalt vor Gericht vertreten. Denn Aids ist zu dieser Zeit immer noch ein großes Tabu-Thema in den USA. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich langsam darauf vorzubereiten, seine Klage allein vor Gericht durchzukämpfen. Da kommt ihm ausgerechnet Rechtsanwalt Joe Miller (Denzel Washington) zu Hilfe, der allerdings keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Homosexuelle macht und zudem große Angst hat, sich bei Beckett mit Aids anzustecken. Doch im Verlauf des sehr hitzigen Prozesses wandelt sich der anfangs noch homophobe Miller. Da bricht Beckett während der Verhandlung plötzlich zusammen. Todkrank erfährt er im Krankenhaus, dass er den Prozess in erster Instanz gewonnen hat.
Tom Hanks hat sich für diese Rolle 15 Kilo abgehungert, um den körperlichen Verfall durch die Krankheit darzustellen. Doch es ist nicht nur seine physische Verfassung, die einen als Zuschauer erschüttert, sondern Hanks große Schauspielkunst. Er spielt Andrew Beckett so leidenschaftlich, so kämpferisch, so empathisch und selbst in seiner Todesangst so gefasst, dass einem als Zuschauer das Herz schwer wird.
„Philadelphia“ ist einer der ersten großen Hollywood-Filme, die sich kritisch mit der gesellschaftlichen Ächtung von Aids-Kranken und männlicher Homosexualität in den USA auseinandersetzen. Der amerikanische Filmemacher Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) hat das heikle Thema ohne falsche Sentimentalitäten inszeniert.
Tom Hanks bedankte sich in seiner emotionalen Oscar-Rede unter anderem auch bei seinem schwulen Schauspiellehrer und erwähnte die Opfer der Aids-Epidemie. Die Rede ging als historischer Moment in die Oscar-Geschichte ein.
Forrest Gump (1994)
„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt“ – das ist das wohl berühmteste Zitat aus „Forrest Gump“. Gesagt hat es der etwas zurückgebliebene Forrest Gump auf einer Bank an einer Bushaltestelle in Savannah, Georgia, als er – auf seine naive Art – über das Leben philosophiert. Tom Hanks spielt diese Szene mit kindlicher Überzeugung, sodass man als Zuschauer diesen seltsamen Kauz sofort ins Herz schließt.
Bei allen Unzulänglichkeiten begleitet man Forrest Gump dann auf seiner Suche nach dem Glück – und staunt nicht schlecht, welch unglaubliche Abenteuer er dabei besteht. So überwindet er seine Gehbehinderung, die er als kleiner Junge hatte, indem er eines Tages einfach losrennt. Etwas später erfindet er bei seiner neuen Leidenschaft – dem Tanzen – den berühmten Hüftschwung, den der junge Elvis sich doch prompt bei ihm abschaut. Außerdem wird er ein gefragter Footballspieler, dann ein begnadeter Ping-Pong-Champion und startet sogar einen Dauerlauf quer durch die USA, der über drei Jahre dauert. Im Laufe der Zeit begegnet er berühmten Persönlichkeiten wie John F. Kennedy, Richard Nixon, Elvis und John Lennon, den er übrigens zu dessen Song „Imagine“ inspiriert. Außerdem erfindet er zufällig den berühmten Smiley und auch den „Shit happens“-Sticker. Als Multimillionär im Shrimp-Business investiert er dann auch noch Geld in eine frisch gegründete Firma, die – wie er glaubt – mit Früchten handelt, nämlich Apple.
Und während er als Freiwilliger im Vietnam-Krieg kämpft, findet er in dem Afroamerikaner Bubba (Mykelti Williamson) auch einen echten Freund, der allerdings bald darauf schwer verwundet wird und in Forrests Armen stirbt. Unter Einsatz seines Läufertalents rettet Forrest in Vietnam seinem Vorgesetzten Lieutenant Dan Taylor (Gary Sinise) das Leben, der allerdings durch eine Explosion beide Beine verliert. Die einzige Konstante ist seine Beziehung zu seiner Jugendfreundin Jenny, die er zwar lange aus den Augen verliert, dann jedoch wiederfindet und sogar heiratet. Allerdings gibt es für die beiden kein dauerhaftes Happy End.
Tom Hanks ist in diesem wunderschönen Märchen-Film die treibende Kraft. Er spielt die Hauptfigur mit unbändiger Energie, bar jeden Zynismus, und durchläuft ganz nebenbei die amerikanische Geschichte der 50er-, 60er- und 70er-Jahre mit einer furiosen Nonchalance. Bei dieser physischen und emotionalen Tour de Force nuanciert Hanks virtuos sein unbefangenes „Boy-next-door“-Image aus früheren Filmen. Es ist schon bemerkenswert, wie er sich – innerhalb weniger Monate – von einem todkranken Aids-Patienten in diesen „Hans im Glück“ verwandelte. Dafür hat er zu Recht zwei Oscars in Folge bekommen. Ein Kunststück, das bisher nur der Hollywood-Legende Spencer Tracy gelungen ist. „Forrest Gump“ spielte 1994 weltweit über eine halbe Milliarde Dollar ein und gehört schon lange zu den Klassikern der Filmgeschichte Hollywoods.
Apollo 13 (1995)
Mit der Hauptrolle in dieser hochspannenden Verfilmung der realen Mondmission der Apollo 13 im Jahr 1970 hat sich Tom Hanks einen Herzenswunsch erfüllt. „Ich habe mich schon als Kind brennend für die Raumfahrt interessiert und deshalb war es mir eine Ehre, den Astronauten James A. Lovell darzustellen“, gab er damals zu Protokoll. Wir erinnern uns: Wegen technischer Probleme musste die geplante Mondlandung damals abgebrochen werden. Dann explodierte auch noch ein Sauerstofftank. Auf dem Rückflug kommt es dann fast zur Katastrophe, da die Schubkraft zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht ausreicht. Die gesamte Besatzung kann nur durch einen waghalsigen Plan mit knapper Not gerettet werden.
Toy Story (1995)
Als Synchronsprecher ist Tom Hanks ebenfalls aktiv. Seit dem ersten „Toy Story“-Film leiht er dem Cowboy-Sheriff Woody seine Stimme und gibt der Animationsfigur dabei erstaunlich viel Wärme, Humor und Menschlichkeit. Woody ist loyal, manchmal eifersüchtig, gelegentlich selbstgerecht. Die Rolle wurde zu einer der bekanntesten in Hanks’ Karriere und begleitete ihn dank diverser Fortsetzungen über Jahrzehnte.
Der Soldat James Ryan (1998)
In Steven Spielbergs Meisterwerk spielt Tom Hanks den US-Captain Miller, der am 6. Juni 1944, dem D-Day, die alliierte Landung in der Normandie am Omaha Beach anführt, wo die US-Truppen im Zweiten Weltkrieg landeten. Sie gerieten sofort unter schwersten Beschuss durch die deutsche Wehrmacht, über 3.000 US-Soldaten fanden dort binnen kürzester Zeit den Tod. Miller soll im vom Feind besetzten Land den jungen Soldaten James Ryan (Matt Damon) aufspüren und ihn heimholen. Der schrecklichen Invasion schaut Miller mit versteinertem Gesichtsausdruck zu, in dem sich doch so vieles spiegelt: Entsetzen, Wut, Mitgefühl, Trauer und Entschlossenheit. Große Schauspielkunst. Tom Hanks, der dafür als Bester Schauspieler für den Oscar nominiert wurde, hätte ihn auf jeden Fall bekommen sollen.
The Green Mile (1999)
In der Verfilmung von Stephen Kings Roman ist Tom Hanks der Gefängniswärter Paul Edgecomb, der im Todestrakt auf den hünenhaften John Coffey (Michael Clarke Duncan) trifft. Schnell wird deutlich, dass hinter dessen furchteinflößender Erscheinung ein außergewöhnlicher Mensch steckt. Hanks spielt Edgecomb mit Ruhe und Zurückhaltung und als einen Mann, der zunehmend an der Gerechtigkeit des Systems zweifelt, dem er selbst dient.
Cast Away (2000)
Nach einem Flugzeugabsturz strandet Tom Hanks’ Figur Chuck Noland auf einer unbewohnten Insel in der Südsee und kämpft dort mutterseelenallein ganze vier Jahre um sein Überleben, bis er auf einem selbstgebauten Floß wieder in die Zivilisation zurückfindet. Sein einziger Vertrauter in dieser langen Zeit ist ein Volleyball, den er – nach dem Hersteller – „Wilson“ nennt. Für diese beeindruckende Robinson-Crusoe-Rolle, in der er den Film über weite Strecken in seiner Solo-Performance trägt, hatte Tom Hanks über 25 Kilogramm abgenommen.
Catch Me If You Can (2002)
In Steven Spielbergs Hochstaplergeschichte jagt Tom Hanks als FBI-Agent Carl Hanratty den Betrüger Frank Abagnale Jr. (Leonardo DiCaprio) quer durch die USA. Was zunächst wie ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel beginnt, entwickelt sich im Laufe des Films zu einer beinahe väterlichen Beziehung zwischen den beiden Männern. Hanks spielt den etwas steifen, humorlosen Ermittler bewusst unspektakulär und ist gerade deshalb ein idealer Gegenpol zu DiCaprios schillerndem Trickbetrüger.
Die „Da Vinci Code“-Trilogie:
Sakrileg (2006) & Illuminati (2009) & Inferno(2016)
Der amerikanische Bestseller-Autor Dan Brown hat mit dem Symbologen Robert Langdon eine der packendsten Figuren des Thriller-Genres erfunden. Und für die Verfilmung seiner Krimis kann man sich für diese Rolle nun wirklich keinen Besseren als Tom Hanks vorstellen. In „Sakrileg“ versucht er, anhand eines Gemäldes von Leonardo da Vinci dem Rätsel auf die Spur zu kommen, ob der Heilige Gral nicht doch ein Synonym für Maria Magdalena sein kann. Und ob sie mit Jesus nicht etwa doch ein Kind hatte? In „Illuminati“, dem zweiten Teil der „Da Vinci Code“-Trilogie, wird Langdon vom Vatikan zu Hilfe gerufen. Denn der Geheimbund der Illuminati will seinem Erzfeind, der Katholischen Kirche, mit Antimaterie den Garaus machen. Dabei spielt auch der Hadron-Collider, der größte Teilchenbeschleuniger der Welt, im Genfer Forschungszentrum CERN eine entscheidende Rolle. Ganz en passant muss Langdon dann auch noch die anstehende Papstwahl retten. Und in „Inferno“ erwacht Langdon in einem Krankenhaus in Florenz – doch er leidet unter Amnesie. In diesem fulminanten Finale stehen Dantes bedeutender Gedichtzyklus „Die göttliche Komödie“ und ein von Menschen gemachter, absolut tödlicher Virus im Mittelpunkt des Geschehens. Wie Tom Hanks diesen charmanten und hochintelligenten Wissenschaftler Robert Langdon über zehn Jahre hinweg darstellt, ohne ihn vorhersehbar oder gar langweilig erscheinen zu lassen, ist wirklich großes Kino.
Der Krieg des Charlie Wilson (2007)
In dieser bitterbösen Politsatire des US-Regisseurs Mike Nichols konnte Tom Hanks als texanischer Kongressabgeordneter und Lebemann Charlie Wilson endlich auch mal dem Affen Zucker geben. Er kokst nicht nur und säuft; er vergnügt sich auch gelegentlich mit Prostituierten im Whirlpool oder verführt mal eben die Tochter eines Senators (Emily Blunt) in der Mittagspause. Doch trotz seiner vielen Charaktermängel ist Charlie Wilson dennoch vor allem ein glühender Patriot und Antikommunist. In den 1980er-Jahren versorgt er deshalb – in einem fast unglaublichen Husarenstück – die afghanischen Mudschahedin nach dem Einmarsch der Sowjets mit von den USA finanzierten Waffen und Munition. Höhepunkte in dieser Kriegsfarce sind die erotisch knisternden Zusammentreffen von Charlie Wilson mit der steinreichen texanischen Grande Dame Joanne Herring, wunderbar männerverschlingend und bibelfest gespielt von Julia Roberts.
Captain Phillips (2013)
In Paul Greengrass’ packendem Thriller verkörpert Tom Hanks den Kapitän des Containerschiffs „Maersk Alabama“, das 2009 vor der Küste Somalias von Piraten gekapert wurde. Hanks spielt Richard Phillips nicht als unerschütterlichen Helden, sondern als erfahrenen Mann, der unter enormem Druck versucht, seine Besatzung zu schützen und die Kontrolle zu behalten. Besonders in den letzten Minuten des Films zeigt sich seine ganze Klasse: Nach der Befreiung bricht die zuvor mühsam aufrechterhaltene Fassade plötzlich zusammen. Eine der intensivsten schauspielerischen Leistungen seiner späteren Karriere.