Gerade feierte Tom Hanks seinen 70. Geburtstag. Der zweifache Oscarpreisträger ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods, der allein durch seine Leinwandpräsenz viele Filme zu Kinohits machte. Seit 30 Jahren leiht er außerdem dem Cowboy Woody in den „Toy Story“-Pixar-Filmen seine Stimme.
Wenn man durch die Flure des Londoner Luxushotels Dorchester wandelt, geht man wie auf Katzenpfoten. Der dreifingerdicke Teppich schluckt jedes Geräusch. Und so ist es kein Wunder, dass Tom Hanks plötzlich – lautlos wie aus dem Nichts – im Türrahmen des Hotelzimmers steht: „Hi, ich bin Tom. Schön, Sie zu sehen“, strahlt er. Schlank ist er geworden. Cool sieht er aus. Ganz in Schwarz – Hemd, Anzug, Socken, Lederslipper – lässt er sich entspannt in den dunkelgrünen Brokat-Sessel fallen. Er trägt einen goldenen Ehering und eine Uhr, die noch die Zeit der Stadt anzeigt, in der er mit seiner Familie lebt: Los Angeles.
„Eine traurige Kindheit“
Thomas Jeffrey Hanks, genannt Tom, wurde am 9. Juli 1956 in Concord, Kalifornien, geboren. Seine Eltern ließen sich früh scheiden und er wuchs mit seinen Geschwistern Sandra und Lawrence bei seinem Vater und wechselnden Stiefmüttern auf. Sein jüngerer Bruder Jim blieb bei seiner Mutter. „Ich hatte eigentlich eine ziemlich traurige Kindheit“, meint Hanks rückblickend. „Damals habe ich mich oft in Traumwelten geflüchtet. Als ich klein war, halfen mir dabei vor allem Bücher. Manchmal habe ich zwei an einem Tag verschlungen. Später waren es dann – kurzzeitig – Drogen und Alkohol. Allerdings hat mich Haschischrauchen richtig blöde im Kopf gemacht. Davon bin ich dann auch schnell wieder abgekommen. Aber diese Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe war bei mir sehr groß – und unerfüllt. Schon als Teenager habe ich mir geschworen: Sollte ich jemals verheiratet sein und Kinder haben, werde ich mich nie scheiden lassen! Und dann“, fährt er mit einem bitteren Lachen fort, „hatte ich mit meiner ersten Frau einen dramatischen Fehlstart ins Eheleben – Scheidung inbegriffen. Was für eine Ironie des Schicksals!“
Tom Hanks war in erster Ehe von 1978 bis 1987 mit der Schauspielerin Samantha Lewes verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. 1985 lernte er bei Dreharbeiten zu „Alles hört auf mein Kommando“ Rita Wilson kennen. 1988 heirateten die beiden. „Rita ist die Liebe meines Lebens. Wir sind seit fast 40 Jahren glücklich verheiratet und haben zwei wunderbare Söhne“ (Chet, 35, und Truman, 25; Anm. d. Red.), schwärmt Tom Hanks und seine Augen glänzen. „Mit Rita konnte ich endlich meinen Traum von einem glücklichen Familienleben verwirklichen. Ich bin nämlich durch und durch ein Familienmensch.“ Mit den beiden Kindern aus seiner ersten Ehe – Colin, 48, und Elizabeth, 44 – hat er inzwischen, wie man hört, ein gutes Verhältnis. Besonders stolz ist er auf Colin, der sehr erfolgreich als Schauspieler unterwegs ist. Er spielte unter anderem in den US-TV-Serien „O.C. California“, „Fargo“ und „Dexter“ mit.
Seine überbordende Empathie hat Tom Hanks nicht nur für seine Familie und Freunde reserviert, sondern gibt sie auch an Menschen weiter, mit denen er zusammenarbeitet. Viele von Hanks’ Kollegen schwärmen davon, wie selbstlos er vor der Kamera agiert – darunter Julia Roberts, die sich noch sehr gerne an die Dreharbeiten zu „Der Krieg des Charlie Wilson“ (2007) erinnert: „Tom ist jemand, der beim Drehen immer alles gibt und hilft, wo er nur kann. Dadurch hat er auch meine Performance deutlich verbessert.“ Julia Roberts hat auch keinen Moment gezögert, zusammen mit Hanks in dessen zweiter Regiearbeit „Larry Crowne“ (2011) mitzuspielen. Zuvor hatte Hanks schon einmal mit dem Spielfilm „That Thing You Do!“ (1996) sein Glück als Regisseur versucht.
Hanks’ Kinokarriere begann Mitte der 1980er in Komödien wie „Splash – Eine Jungfrau am Haken“, „Big“ und „Scott & Huutsch“ – und trotz Type-Casting als der nette Junge von nebenan hat er sich nie wirklich vereinnahmen lassen. Hanks erinnert sich: „Es hat gut zehn Jahre gedauert, bis ich in Hollywood nicht mehr als Mr. Nice Guy abgestempelt wurde. Bis man endlich merkte, dass man mich auch anders besetzen konnte als in netten Familienfilmen oder als Liebespartner von Meg Ryan in den romantischen Komödien ‚Schlaflos in Seattle‘ und ‚e-m@il für Dich‘. Ich sehe mich jedenfalls weder als komischen noch als romantischen Schauspieler. Ich bin Schauspieler! Gott sei Dank sind die Rollenangebote in den letzten Jahren deutlich besser geworden.“
James Stewart als Vorbild
Zum Weltstar wurde Tom Hanks mit zwei Filmen, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. In „Philadelphia“ spielte er einen schwulen Anwalt, der an Aids erkrankt. Und in „Forrest Gump“ einen Einfaltspinsel mit dem Mantra „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt“. Für beide Rollen bekam er – 1994 und 1995 – den Oscar als Bester Schauspieler.
In seiner nun schon 45 Jahre andauernden Karriere spielte er viele weitere unvergessliche Rollen und wurde so zu einem der profiliertesten Charakterdarsteller im Filmbusiness. Eine Ikone eben. Wie sein großes Vorbild, die Hollywood-Legende James Stewart, verkörperte Hanks in vielen seiner Filme auch weiterhin den personifizierten guten Amerikaner. Aber immer unaufgeregt und ohne jegliches Pathos. Er ist der Jedermann, von dem wir alle träumen können. Zu seinen Kino-Highlights gehören Filme wie „Der Soldat James Ryan“ (1998), wo er als US-Captain Miller im Zweiten Weltkrieg am D-Day in der Normandie anlandet und mit versteinerter Mine sieht, wie links und rechts seine Soldaten von den Deutschen niedergemäht werden. In „Cast Away – Verschollen“ (2000) ist er der auf einer Südseeinsel einsam gestrandete moderne Robinson Crusoe und freundet sich dort mit einem Volleyball namens „Wilson“ an. In den drei „Da Vinci Code“-Verfilmungen – „Sakrileg“, „Illuminati“ und „Inferno“ (2006 bis 2016) – nach den Krimi-Bestsellern von Dan Brown spielt er den Symboldeuter Robert Langdon als intellektuellen Action-Helden par excellence. Und in „Sully“ (2016) ist er der heldenhafte Pilot, der ein Passagierflugzeug sicher auf dem Hudson River in New York notwassert. Nicht zu vergessen seine Paraderolle in dem Bio-Pic „Elvis“ (2022) als Colonel Parker, die des ebenso fetten wie skrupellosen Managers von Elvis Presley.
Tom Hanks ist auch ein erklärter Fan von Tom Tykwer. „Tom hat eine ganz eigene Handschrift. Ganz besonders schätze ich seinen Film ‚Lola rennt‘. Wir haben uns bei dem Film ‚Cloud Atlas‘ (2014), bei dem er ja auch neben den Wachowski-Brüdern Regie führte, kennen- und schätzen gelernt. Als er mir dann die Hauptrolle in seinem Film ‚Ein Hologramm für den König‘ (2016) anbot, habe ich sehr gerne zugesagt.“
Als 1995 John Lasseter, der damalige Chef der Pixar-Studios, mit „Toy Story“ den Animationsfilm revolutionierte, indem er Spielzeuge zum Leben erweckte und sie auf eine abenteuerliche Reise schickte, konnte er für seine Hauptfigur – den unerschrockenen Sheriff Woody – Tom Hanks gewinnen. Seitdem leiht Hanks dem Plastik-Cowboy seine unverwechselbare Stimme und machte ihn so zum Kult-Objekt. In „Toy Story 5“ muss Woody zusammen mit seinem Freund Buzz Lightyear, dem Cowgirl Jessie und dem Rest der Bande wieder die verrücktesten Abenteuer bestehen. Diesmal ist die Gefahr besonders groß: Eine neue Technologie ist drauf und dran, den Spielzeugen den Garaus zu machen … Hanks schwärmt auch nach 30 Jahren „Woody-Sprech“: „Ich finde, dass alle ‚Toy Story‘-Geschichten einen Tiefgang haben, den man selten bei Animationsfilmen findet. Diesmal könnte die Message lauten: Wenn wir alle zusammenstehen, sind wir nicht allein in dieser Welt.“
Als Vizepräsident der Academy in Hollywood setzt Tom Hanks sich auch öffentlich für die Belange seiner Kollegen ein. So unterstützte er die Gewerkschaft bei den Streiks in Hollywood und solidarisierte sich mit seinen Schauspiel- und Autorenkollegen. Außerdem warnt er eindringlich davor, dass viele Filmschaffende durch die Streaming-Plattformen und die Bedrohung durch die KI nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass er ein Unterstützer der Demokraten ist und große Bedenken hat, ob Trump seinen Amtseid respektiert. Schon des Öfteren bezeichnete er ihn als „simplen ich-bezogenen Schwätzer“. Eine Herzensangelegenheit von Hanks ist außerdem der Umweltschutz, für den er sich aktiv engagiert. So hat er zum Beispiel sehr gern die Rolle des Erzählers in der Naturdokumentarserie „The Americas“ übernommen. „Ich bin eben ein unverwüstlicher Optimist. Wir müssen uns davor hüten, zynisch zu werden. Auch wenn es mit Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen in der Welt oft schwerfällt. Aber Zynismus saugt einem die Lebenskraft aus. Und wenn wir etwas nötiger haben denn je, dann sind das positive und kreative Menschen, die diese Welt verbessern wollen.“
„Ich bin ein ganz normaler Mensch“
Tom Hanks legt viel Wert darauf, dass er kein unerreichbarer Star am Himmel von Hollywood ist. „Ich habe aus Liebe zur Schauspielerei diesen Beruf ergriffen und nicht etwa, weil ich reich und berühmt werden wollte. Ich bin ein ganz normaler Mensch mit all den Sorgen und Nöten, die das Leben so mit sich bringt. Viele halten mich für introvertiert, was vielleicht Fremden gegenüber sogar stimmt. Aber privat kann ich auch völlig aufgedreht und albern sein. Wissen Sie, ich bin zwar von Beruf Schauspieler, aber in erster Linie bin ich doch Mensch.“
Im Interview ist Tom Hanks von erfrischender Geradheit. Star-Allüren sucht man bei ihm vergebens. Er antwortet schnell, pointiert, manchmal scharfzüngig. Und er ist selbstironisch – immer ein sicheres Zeichen für Intelligenz. Auch mit seinen 70 Jahren hat er sich seinen jugendlichen Charme und die Begeisterungsfähigkeit bewahrt. Seinen runden Geburtstag nimmt er daher mit viel Humor. „Ich glaube, man ist immer so alt, wie man sich fühlt. Ich weiß, das ist ein sehr abgegriffenes Klischee. Aber wenn ich mich im Spiegel betrachte, bin ich sicher viel jünger, als ich aussehe.“