Für Suzy van Zehlendorf ist die Kunsthochschule Weißensee ein Raum, in dem sie dazugehört. Eine Erfahrung, die vielen Künstlern mit Behinderung verwehrt bleibt.
Suzy van Zehlendorf redet mit Vögeln. Sie schenkt ihnen damit etwas, das sie selbst lange vermisst hat: das Gefühl, verstanden zu werden. Die 44-jährige Künstlerin kümmert sich um verletzte Tiere, füttert sie, bis sie wieder fliegen können. In ihrer Altbauwohnung in einem betreuten Wohnkomplex in Berlin stehen Käfige in der Badewanne und auf dem Küchenschrank. Im Wohnzimmer hört man den Flügelschlag frei fliegender Tiere hinter der verschlossenen Tür. „Nicht reingehen!“, sagt sie. „Sonst erschrecken sie sich.“
Ihren Künstlernamen hat sie sich selbst ausgesucht. Eine Hommage an den Berliner Stadtteil Zehlendorf, der ihr am Herzen liegt. Wenn sie das Haus verlässt, setzt sie sich einen Schnabel auf, den sie aus Metall, Pappe und Draht gebastelt hat. Auf dem Kopf trägt sie eine schwarze Cap, die aussieht wie eine Pickelhaube, und auf dem Rücken einen schwarz-neongrünen Ranzen. „Den habe ich auf der Straße gefunden.“ Dann steigt sie in weiße Schlappen, schnallt ein Bauchköfferchen um und geht los.
Wenn sie etwas sagt, hören die anderen zu
Weil van Zehlendorf besonders ist, fällt sie auf. Auf der Straße wird sie oft angestarrt, belächelt oder angefeindet. Im Seminar „Plastisches Gestalten“ an der Kunsthochschule Weißensee, inmitten von Kunststudierenden, ist sie eine von vielen, die an Ideen arbeiten. Wenn sie etwas sagt, hören die anderen zu, fragen nach, manchmal lachen sie über ihre unverstellten Kommentare.
Seit drei Semestern ist sie Gasthörerin an der Kunsthochschule. Hier erfährt sie etwas, das ihr außerhalb der Kunst selten begegnet: Akzeptanz. Das Programm ARTplus, getragen von der Kunsthochschule Weißensee und gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung, schafft dafür den Raum.
Bisher haben an zwölf Hochschulen mehr als vierzig Künstlerinnen und Künstler am ARTplus-Programm teilgenommen. Manche tasten sich über ein Gaststudium oder Praktikum heran, andere studieren inzwischen regulär. Die Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg ist bislang die einzige, die ARTplus fest integriert hat. Ein Beispiel dafür, wie Förderung funktionieren kann.
In Deutschland lebt mehr als ein Fünftel der Bevölkerung mit einer Behinderung, im Kunst- und Hochschulbereich sind sie jedoch stark unterrepräsentiert. Eine europaweite Studie zeigt: Fast die Hälfte der befragten Kultur- und Kunstinstitutionen glaubt nicht, dass ihre Programme für Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung zugänglich sind, und 87 Prozent binden keine Menschen mit Behinderung in Auswahlgremien ein.
Die Folge: An deutschen Kunsthochschulen studieren nur wenige von ihnen. Schätzungen sprechen von weniger als fünf Prozent, und nur ein Bruchteil erhält Assistenz. Während viele Universitäten inzwischen feste Anlaufstellen für Barrierefreiheit eingerichtet haben, hinken Kunsthochschulen hinterher: Ateliers sind laut, Werkzeuge potenziell gefährlich, Prüfungen körperlich anspruchsvoll.
Die Bundesregierung empfiehlt, Kunsthochschulen stärker für Studierende mit Behinderungen zu öffnen: Beratung, barrierefreie Bewerbungen, Nachteilsausgleiche sowie flexible Prüfungsformen sollen bereitstehen. Auch Assistenz, technische Hilfen und Mobilität müssten von Beginn an verfügbar sein, damit ein Studium gleichberechtigt möglich ist. Wie dies finanziert werden soll, bleibt jedoch offen.
Es ist also ein System- und Strukturproblem, das die Frage aufwirft: Wie viele weitere Talente blieben unentdeckt, weil sie keine passende Förderbahn finden?
In der Bildhauerwerkstatt der Kunsthochschule Weißensee stehen die hohen Türen weit offen. Der Boden ist mit weißem Staub bedeckt, der beim Schleifen der Gipsfiguren herunterrieselt. Gipsspritzer kleben an den Tischbeinen. Durch bodentiefe Fenster strömt Licht.
Suzy van Zehlendorf steht am Fenster. Staub wirbelt auf ihren Vogelschnabel. Ihr Blick fixiert den Gipsbusen in ihren Händen. Behutsam schmirgelt sie über die Rundungen, pustet Staub ab, fährt mit der Hand über die Oberfläche auf der Suche nach kleinsten Unebenheiten.
Auf ihrem Tisch steht ein Holzpfosten, „Pfoll-Pfosten“ beschriftet, oben drauf ein Hahnenkopf. Für sie sind alle Menschen Hähne: laut, aufgeregt, immer in Bewegung. Kinder sind ihre Küken. Sie selbst versteht sich eher als Vogelmutter, die beobachtet, beschützt, repariert.
Sie blickt auf den jungen Mann neben sich, der eine Holzskulptur schnitzt. Sie beugt sich über sein Kunstwerk und stemmt den linken Arm in die Hüfte. „Du kannst oben noch eine Krone draufmachen. Oder einen USB-Stick.“ Der Student überlegt. „Ich weiß nicht.“ Dozent Günter Unterburger, 66, kommt hinzu. „Du kannst ja gucken, was passiert“, sagt er dem Studenten. „Aber es geht immer kaputt, wenn ich oben etwas draufsetze“, erwidert er. „Dann kleb doch einfach einen Busen dran“, wirft sie ein.
„Suzy hat hier richtig losgelegt“, sagt Unterburger später. „Sie ist eine erfahrene Künstlerin, weiß, was sie will.“ „Plastisches Gestalten“ ist Teil des Grundlagenjahres, das alle Studierenden durchlaufen. Im Kurs begegnen sich angehende Designerinnen, Bühnenbildner und Bildhauerinnen. Alle arbeiten mit denselben Materialien: Ton, Gips, Wachs, Holz. „Es geht darum, Material zu begreifen“, erklärt Unterburger, „zu verstehen, was es will und was es nicht will.“
Suzy van Zehlendorf ist die vierte ARTplus-Studentin, die in einem seiner Kurse ist. Das Programm sei ein Versuch, so der Dozent. „Die Frage ist: Kann jemand mit Behinderung in so einem offenen, manchmal chaotischen Umfeld arbeiten?“ Seine Antwort: „Mit Suzy ging das wunderbar.“ Zwar brauche sie manchmal Unterstützung, „aber sie bringt eigene Ideen ein und inspiriert andere.“
„Hörst du die Hühnergeräusche?“, fragt sie wenige Minuten später und kneift die Augen zusammen. Als der Kommilitone neben ihr sein Kunstwerk mit dem Hammer bearbeitet, stöhnt sie. „Heute ist es mir zu laut.“ Sie tritt hinaus in die Sonne. Aus einer Papiertüte ragt ihr liebster Begleiter: Koks, der Drache aus dem Kinderbuch „Ritter Rost“, mit gebasteltem Schnabel auf der Kuscheltierschnauze. Mit ihm an ihrer Seite wirkt selbst der graue Berliner Asphalt ein bisschen freundlicher.
Er begleitet sie auch am nächsten Morgen, als sie sich auf den Weg zur Kunstwerkstatt Mosaik Berlin in Spandau macht. Der Backsteinbau, einst eine Kaserne, liegt zwischen einer vierspurigen Straße und grauen Fassaden. Mit der Eingangstür öffnet sich das Tor zu einer anderen Welt: laut, bunt, lebendig. Stimmen von rund 260 Menschen mit geistiger Behinderung, die in verschiedenen Werkstätten arbeiten, schallen durch die Flure.
Die rund zwanzig fest angestellten Künstlerinnen und Künstler arbeiten in unterschiedlichen Disziplinen. Ihre Werke werden national und international ausgestellt und verkauft. In drei Räumen drängen sich Tische, Stühle und Staffeleien. In Holzregalen aufgetürmt stehen preisgekrönte Werke neben Entwürfen, die noch auf ihren Moment warten.
Suzy van Zehlendorf ist momentan drei Tage die Woche an der Kunsthochschule, die restliche Zeit arbeitet sie in der Kunstwerkstatt. Die Fenster im Atelier stehen weit offen, Geräusche vorbeifahrender Autos wehen herein. Zwischen ihren Werken und vertrauten Stimmen, scheint sie ganz bei sich zu sein. Sie schlägt ein Buch auf, zeigt auf das Bild eines weißen Hauses inmitten hoher Bäume. Ein Kinderheim. „Da habe ich mal gewohnt“, sagt sie. „Es gab da leider doofe Sachen.“ Sie atmet einmal tief durch. „Schläge.“
„Suzy ist eine unfassbar begabte Künstlerin“
Nina Pfannenstiel, die Leiterin der Kunstwerkstatt, kennt van Zehlendorf seit zwanzig Jahren. „Suzy ist eine unfassbar begabte Künstlerin, breit aufgestellt, mit sehr vielen verschiedenen Begabungen gesegnet“, sagt sie. Pfannenstiel erinnert sich an die Anfänge: eine junge Frau, nervös, kaum ansprechbar, mit einem Stück Fell an der Wange geklebt. „Nach einem Dreivierteljahr war das Fell weg. Und Suzy war da.“
Wer sie heute erlebt, sieht eine Frau, die ihren Platz gefunden hat. Wenn sie durch Berlin läuft, verwandeln sich ihre Spaziergänge in Streifzüge. Auf Flohmärkten, in Containern, an Straßenecken findet sie Materialien: Schmuckstücke, Bauschaum, alte Schreibfedern, Metallteile, Glitzerpapier. „Es ist unglaublich, eigentlich grenzenlos“, sagt Pfannenstiel.
In ihrer Kunst fließt alles zusammen: die Stadt, Religion, Tiere, Erinnerung. Van Zehlendorf, die Menschen als Hähne sieht, hat in der Werkstatt einen Raum gefunden, in dem sie ihre eigene Logik leben kann. „Für Suzy ist es keine Metapher. Für sie sind Menschen Hähne.“ In der Kunstwerkstatt durfte sie das zum ersten Mal aussprechen, sichtbar machen, ohne dass jemand den Kopf schüttelte. „Das war ein Befreiungsschlag.“
Van Zehlendorf begann, alte Bücher zu übermalen: medizinische Lehrbücher, Stadtatlanten, Tierlexika. Was sie störte, strich sie schwarz. Was sie faszinierte, verwandelte sie: aus Embryonen wurden kleine Hähnchen, aus Anatomieskizzen Vogelwesen. „Sie arbeitet schnell und intuitiv“, sagt Pfannenstiel. „Manchmal überarbeitet sie eine Seite in Sekunden.“ Mit der Zeit wurde van Zehlendorfs Kunst immer präziser, feiner. Heute kombiniert sie Malerei, Collage und Objektkunst.
Wie van Zehlendorf schließlich an die Kunsthochschule Weißensee kam? „Wir sind mit einer Gruppe von sechs Künstlern für eine Führung in die Hochschule gegangen. Es hat sich sofort gezeigt, wer sich für was interessiert.“ Drei Künstlerinnen und ein Künstler haben sich schließlich als Gasthörende eingeschrieben.
Melanie Schamp, 39, war eine von ihnen. Sie hält einen Schal in den Händen, den sie an der Hochschule entworfen und bedruckt hat: Regen, Tropfen für Tropfen, sorgfältig gezeichnet. Im betreuten Wohnheim in Spandau ist ihr Alltag eng getaktet: Ergotherapie, Einkauf, feste Essenszeiten. Wünsche zu äußern, galt ihr lange als zu gefährlich. „Sie geht immer vom Schlimmsten aus“, sagt Pfannenstiel. Niemand in ihrer Wohngruppe hätte sich vorstellen können, dass Melanie einmal allein ans andere Ende der Stadt fährt.
Doch die Kunsthochschule verändert sie sichtbar. Erst verlor sie die Angst vor der U-Bahnfahrt, dann setzte sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug, für die Preisverleihung des Lothar Späth Förderpreises für Künstlerinnen und Künstler mit intellektuellen Beeinträchtigungen in Basel. Dort gewann sie mit ihrem Werk „Trauerschnäpper“, der Zeichnung eines Singvogels, einen Anerkennungspreis. „Ohne die Uni hätte sie das nie gemacht“, sagt Pfannenstiel. „Sie hat gemerkt: Ich kann das. Ich bin erwachsen.“
Student Anton galt im Heim als schwierig
Auch Anton Suvorov, Anfang zwanzig, hat für drei Semester erleben können, wie sich künstlerische Anerkennung anfühlt. In dem Kinderheim, in dem er lebt, gilt er als schwierig, unruhig, manchmal aggressiv. In der Kunsthochschule bewegt er sich mit einer Ruhe, die viele nicht erwartet hätten. „Das ist nicht der Anton, den wir kennen“, sagte einer seiner Betreuer, als Werkstattleiterin Pfannenstiel ihnen Fotos von Suvorovs Arbeit zeigte. Aufnahmen von einem jungen Mann, der sich selbstverständlich inmitten seiner Kommilitonen bewegt. Pfannenstiel erinnert sich: „Ich habe gesagt: Das ist der erwachsene Anton. Der Künstler, der in der Werkstatt arbeitet, der schon zwei Bilder verkauft hat.“ Suvorov bekam im Studiengang „Freie Malerei“ einen eigenen Atelierplatz. „Doch dann mussten wir ihn aus dem Programm rausnehmen.“ Sein Weg endete nicht wegen fehlender Begabung, sondern an Strukturen. Anton hat keine familiäre Unterstützung. Öffentliche Verkehrsmittel kann er aufgrund seiner Beeinträchtigung nicht nutzen, freiwillige Begleiter wurden nicht dauerhaft gefunden. Ohne verlässliche Anfahrt blieb sein Atelierstuhl oft leer. „Ein Studienplatz allein reicht nicht. Man bräuchte das ganze Paket: Mobilität, Assistenz, einen Ort zum Erwachsenwerden“, sagt Pfannenstiel.
Van Zehlendorf, Schamp und Suvorov teilen an diesem Ort etwas, das für viele selbstverständlich klingt, für sie aber eine Revolution ist: Wachstum, geknüpft an echte Teilhabe.
Das ARTplus-Programm selbst, betont Pfannenstiel, sei kein Schonraum, keine soziale Maßnahme, sondern eine Chance. „Für das Studium zählt allein die künstlerische Qualität. Und die hat Suzy ohne Frage.“ Pfannenstiel begleitete ihre drei Schützlinge an vielen Tagen in die Hochschule. „Ohne diese enge Begleitung wäre vieles nicht möglich gewesen.“ Inklusive Studierende bräuchten jemanden an ihrer Seite, sagt sie, „weil die Hochschule dafür gar nicht ausgelegt ist.“
Genau an dieser Schnittstelle zwischen Hochschule und Kunstschaffenden mit Behinderung arbeitet Susan Päthke, 46. Seit 2023 ist sie für ARTplus an der Kunsthochschule Weißensee. „Ich bin nicht hierhergekommen, um ein fertiges Konzept umzusetzen“, sagt sie, „sondern um Begegnungen zu schaffen.“
Päthke besuchte Werkstätten und lud Menschen in die Kunsthochschule ein. Über Nina Pfannenstiel lernte sie Suzy van Zehlendorf kennen. Die sei ein Beispiel dafür, wie gut das funktionieren kann, wenn Hochschule und Werkstatt zusammenarbeiten, „sie bringt ihre ganze Persönlichkeit mit, ihren Stil, ihre Kraft. Und die Hochschule hat ihr den Raum gegeben, das zu entfalten.“
In den vergangenen drei Jahren haben an der Kunsthochschule Weißensee insgesamt fünfzehn Künstlerinnen und Künstlern am Programm teilgenommen und 35 Kurse als Gasthörende besucht. „Nicht immer lief alles rund“, sagt Päthke. Oft fehlte Assistenz: Auf dem Weg zur Hochschule oder während der Kurse, wenn es zu laut wurde, Aufgaben unklar blieben oder Überforderung drohte. Für Gasthörende werden solche Unterstützungsleistungen bislang nicht finanziert. „Das ist kein menschliches, sondern ein strukturelles Problem“, betont Päthke.
Trotz solcher Hürden hat ARTplus an der Weißensee-Kunsthochschule viel bewegt – nicht nur für die Teilnehmenden, sondern für die ganze Institution. „Viele merken, dass ihr Studium durch mehr Diversität und Inklusion reicher wird.“ In Workshops zu Themen wie Autismus oder Barrierefreiheit öffneten sich auch jenseits des Kunstunterrichts neue Perspektiven. „Inzwischen tauche das Thema in allen Bereichen auf: bei der Veranstaltungsplanung, in Gremien, sogar in der Architektur. „Das Bewusstsein wächst,“, sagt Päthke.
Neben dem einen Studenten, der bereits immatrikuliert ist, wollen zwei weitere Teilnehmende des ARTplus-Programms nun ein reguläres Studium beginnen. „Die Assistenzleistungen, die beide benötigen, sind bereits beantragt“, sagt Päthke. Doch während neue Wege entstehen, droht dem Programm selbst das Ende: Die Förderung läuft Ende des Jahres aus, ein Nachfolgeprojekt ist nicht in Sicht.
Dem Programm droht das Aus
Die Hochschule hätte gerne weitergemacht: Anträge wurden gestellt, bislang ohne Erfolg. Für Päthke ist das ein politisches Versäumnis. „Die Hochschulrektorenkonferenz hat schon vor Jahren gesagt, dass es eine Hochschule für alle geben muss. Aber solange die Finanzierung fehlt, bleibt das ein schönes Ziel ohne Struktur.“ Sie wünscht sich, dass die Kunsthochschule jemanden dauerhaft benennt, der Inklusion und Diversität verankert. Nicht als Projekt, sondern als Haltung. „Inklusion ist keine Randnotiz“, sagt sie. „Sie verändert, wie wir auf Kunst schauen – und aufeinander.“
Am Nachmittag streift Suzy van Zehlendorf durch mehrere Läden. Als sie in einer Spielzeugabteilung Wasserpistolen entdeckt, blickt sie schnell weg. „Wenn Koks sie sieht, brüllt er.“ Eine Soldatenfigur wirft sie in die oberste Regalreihe. „Damit die Küken nicht drankommen.“ Beim Rausgehen spricht eine Frau Suzy an. „Du siehst lustig aus!“, sagt sie. „Du auch“, antwortet Suzy. „Na, dann sehen wir ja beide lustig aus.“ Zuhause legt sie ihre Cap ins Regal, der Vogelschnabel bleibt auf. „Den nehm’ ich nur zum Schlafen ab.“ Sie füttert ein Vogelküken geduldig mit Körnern. Will Suzy sich auf einen regulären Studienplatz bewerben? „Das wäre mir zu viel“, sagt sie. Ein Hörsaal mit vielen Menschen macht ihr Angst. Die Enge, die Lautstärke, das Stillsitzen. „Wenn nicht alles so ist wie immer, werde ich nervös.“ Sie möchte als Gasthörende an der Kunsthochschule bleiben, hofft, dass ARTplus weitergeht. „An der Hochschule ecke ich weniger an“, sagt sie. „Dort darf ich sein, wie ich bin.“