Die Hardliner unter den Revolutionsgarden wollen den Sieg gegen Amerika.
Die Drohung aus Teheran war kurz und knallhart. „Ihr werdet bald sehen, dass Irans neue Strategie auf dem Schlachtfeld, in der Diplomatie und angesichts der Wirtschaftsblockade eure Grundfesten erschüttern wird“, warnte der Chef des Nationalen Sicherheitsrats Irans, Mohsen Resaei. Die Kontrolle der Straße von Hormus sei wichtiger als „Dutzende von Atombomben“. Zusätzliche US-Truppen in der Region seien Zielscheiben. Golfstaaten, die an Amerikas Wirtschaftskrieg teilnähmen, gerieten ebenfalls ins Visier. Armeesprecher Mohammad Akraminia komplettierte die martialische Rhetorik mit der Ankündigung: Jeder Angriff gegen die Islamische Republik werde eine Vergeltungsaktion nach sich ziehen, die heftiger ausfalle als die Attacke.
Im Militär- und Sicherheitsapparat des iranischen Regimes hat sich die Tonlage drastisch verschärft. Generalstabschef Ali Abdollahi spricht neuerdings von einer „offensiven Militär-Doktrin“. Die Rede ist nicht mehr nur von Verteidigung gegen Luftschläge der Amerikaner, sondern von massiver Abschreckung und Rache. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigten die vergangenen Wochen. Am 7. Juli griff Iran drei Frachtschiffe in der Straße von Hormus an. Amerikanische Kampfjets bombardierten unmittelbar darauf Ziele in Iran. Teheran revanchierte sich mit Attacken auf US-Kriegsschiffe. Als die USA Ende August Radaranlagen, Raketenwerfer und Militäranlagen im Süden Irans zerstörten, feuerte die Islamische Republik Raketen und Drohnen auf amerikanische Basen in Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Bahrain und Nordirak. Auch Öltanker im Persischen Golf wurden getroffen.
Die kurze Phase der Hoffnung nach dem Mitte Juni unterzeichneten amerikanisch-iranischen Rahmenabkommen war damit passé. Die XXL-Hardliner aus dem Kreis der Revolutionsgarden haben das Kommando übernommen. Sie sind die Schutztruppe des Regimes, eine rund 200.000 Mann starke Elite-Streitmacht. Sie wird maßgeblich durch Generäle rund um den Garden-Führer Ahmad Vahidi und den Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resaei, gesteuert. „Die Revolutionswächter haben das Rahmenabkommen mit den USA bewusst torpediert, indem sie Handelsschiffe in der Straße von Hormus beschossen haben – selbst in omanischen Gewässern, als die Verhandler versuchten, ein Abkommen mit Oman zum Abschluss zu bringen“, sagte Hans-Jakob Schindler, Chef der Berliner Denkfabrik Counter Extremism Project. Dies belege, dass es den Garden primär nicht um Sanktionserleichterungen gehe. „Sie wollen einen diplomatischen und politischen Sieg gegen Amerika, indem sie Präsident Donald Trump die Zwischenwahlen zum Kongress verhageln. Sie streben das absolute Sieges-Narrativ an, wie 1979 bei der demütigenden Geiselnahme in der US-Botschaft unter Präsident Jimmy Carter“, so Schindler.
Die verhandlungsbereiten Kräfte im Regime sind abgemeldet. „Es wäre besser, den Krieg heute zu beenden, solange wir noch mächtig sind und unsere Würde bewahren“, erklärte Präsident Massud Peseschkian kürzlich. Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf zog ein ernüchterndes Fazit: „Egal, wie groß unsere militärische Macht auch sein mag – wir werden nicht überleben, wenn die Menschen hungern und es keinen Finanzumsatz, kein Wirtschaftswachstum und keine nationale Produktion gibt.“
Doch die Wirtschaftskrise im Land lässt die Garden kalt. Sie machen gegen Trump mobil und setzen auf Konfrontation. Hinter den Attacken auf amerikanische Ziele steht nicht immer eine bestimmte Person oder Gruppe, da die Revolutionsgarden auf eine stark dezentrale Verteidigung zurückgreifen. Nach dem Irak-Krieg der USA 2003 hat Iran die sogenannte Mosaik-Strategie eingeführt. Demnach sind die Garden in den 32 Militär-Distrikten des Landes praktisch autonom in ihren Entscheidungen. Sie kontrollieren in ihrem Bereich alle Raketen und Drohnen und sind für die Sicherheit der Grenzprovinzen des Landes sowie der Straße von Hormus zuständig. Nach dem Zwölftage-Krieg im Juni 2025 wurde diese Dezentralisierung noch einmal ausgebaut. Angriffe auf amerikanische Basen sind nicht immer aus Teheran gesteuert, sie können auch aus der Provinz kommen. Trump hat das völlig unterschätzt. Gegenüber der asymmetrischen Kriegsführung Irans ist er machtlos. Er stochert im Nebel.