Das war er also, der Mammut-Wahl-Monat. Die Parteienlandschaft ist gründlich durchgerüttelt. Was folgt?
Die einen, mit mächtigen Gewinnen, machen den Eindruck, als könnten sie vor Kraft kaum noch laufen. Noch ist offen, ob es am Ende erstmals einen Ministerpräsidenten einer Partei gibt, die als rechtsextremistisch eingestuft ist.
Bei der CDU herrscht vor allem Ratlosigkeit. Die gab es schon vorher, war aber durch den Wahlerfolg bei der letzten Bundestagswahl vorübergehend noch mal überdeckt. Das historische Desaster „macht etwas mit der Partei“, heißt es. Was, das ist noch offen. Die SPD hat in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt, was möglich ist. Ebenso die Linke in Berlin.
Drei Wahlen, die einen Wendepunkt markieren. Aber noch nicht wirklich sagen, wohin es sich wendet.
Geht das Projekt der AfD („Zerstörung der CDU“) auf? Wird sich die Entwicklung, die AfD aus Protest, aus Trotz und weil es gerade so ein bisschen im Trend liegt, zu wählen, verfestigen? Und bliebe das auch so, wenn sie einmal Regierungskunst unter Beweis stellen müsste? Oder ist mit den jetzigen Wahlergebnissen das Potenzial, das stark aus dem bisherigen Nichtwählerbereich kommt, ausgereizt?
Kommt womöglich auch die ständig aggressive Attacke samt kalkulierter Brüllauftritte im Bundestag an Grenzen?
Ich sehe immer häufiger, dass Menschen von der Daueraggression genug haben. So wie sie Dauerstreit in Regierungskoalitionen leid sind.
Am Ende sind die Ergebnisse vielleicht klüger, als es zunächst erscheint: Der massive Unmut hat sich unübersehbar ausgedrückt, aber keine absoluten Mehrheiten verteilt.
In Sachsen-Anhalt hat sich Protest formuliert, in Berlin hat sich ein drängendes Problem der Menschen artikuliert, in Mecklenburg-Vorpommern hat sich gezeigt, was gute Regierungspolitik und eine überzeugende Kandidatin erreichen können.
Es war der berühmte „letzte Schuss“. Den wollte eigentlich die Koalition in Berlin haben. Noch hat sie die Chance. Unter zwei Bedingungen: Ruhe und Demut. Zugegeben, bislang nicht gerade besondere Tugenden in Berlin. Jetzt aber zwingend geboten. Vielleicht auch im Medienbetrieb.
In einem halben Jahr werden wir dann bei unserer Wahl im Saarland erleben, ob es Lernkurven gibt.