Nachdem eine staunende Weltöffentlichkeit ChatGPT im November 2022 erstmals nutzen konnte, stiegen die Nutzerzahlen generativer KI weltweit immer weiter. In Europa sind die Zahlen sehr ungleich verteilt.
Raus aus dem Forschungslabor: Künstliche Intelligenz ist längst in den Büros und auf den Smartphones von Konsumenten angekommen. ChatGPT, Gemini, Copilot, Grok oder Claude werden zum Schreiben, Übersetzen, Lernen, Programmieren, Planen oder für die Bildbearbeitung genutzt. Wie schnell sich die Technik verbreitet, zeigen Daten von Microsoft und dem europäischen Institut Eurostat.
Nach der Auswertung von Microsoft, die von der Datenwebseite „Our World in Data“ veröffentlicht wurde, nutzten Ende 2025 weltweit 16,3 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter generative KI-Angebote, etwas mehr als im Vorjahr. Generativ heißt, dass die KI aufgrund erlernter Muster aus vorhandenen Daten neue Texte, Bilder oder Musik erstellt. Das entspricht ungefähr jedem sechsten Menschen. Die Zahlen beruhen auf anonymisierten Nutzungsdaten von Microsoft, die auf die Bevölkerung hochgerechnet wurden. Erfasst werden dabei Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, die mindestens eines von 19 KI-Angeboten besucht haben. Deutschland lag in dieser Statistik Ende 2025 bei 28,6 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Das war etwas mehr als in den USA mit 28,3 Prozent. International führend waren die Vereinigten Arabischen Emirate mit 64 Prozent und Singapur mit 60,9 Prozent.
Jeder Dritte in der EU nutzt KI
Die amtliche europäische Statistik zeichnet ein anderes, aber vergleichbares Bild. Eurostat befragte 2025 rund 330.000 Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in der EU. Jeder Dritte gab an, in den vorangegangenen drei Monaten generative KI genutzt zu haben. Knapp ein Viertel setzen sie privat ein, 15,1 Prozent bei der Arbeit und 9,4 Prozent in Schule, Studium oder Ausbildung. Die Unterschiede zwischen den EU-Staaten sind jedoch erheblich. In Dänemark nutzte fast die Hälfte der Befragten generative KI, in Estland 46,6 Prozent und in Malta 46,5 Prozent. Am unteren Ende lagen Rumänien mit 17,8 Prozent, Italien mit 19,9 Prozent und Bulgarien mit 22,5 Prozent. Den Anteil vor allem junger Menschen, die KI nutzen und mit ihr gewissermaßen aufwachsen, zeigt die nebenstehende Grafik.
Die Richtung aber ist klar: Generative KI hat sich binnen weniger Jahre zu einem Massenwerkzeug entwickelt. Entscheidend wird sein, diese nicht nur auszuprobieren, sondern sicher, kompetent und zu eigenen Bedingungen einzusetzen. Dies zeigt auch eine KI-Nutzerstudie der Bitkom, dem deutschen Interessenverband der IT: Darin heißt es, dass mit der Verbreitung auch „der Anspruch an Verlässlichkeit“ wachse. Viele Menschen blieben zunächst bei gewohnten Alternativen wie der Internetsuche, vertrauen der Technologie nicht oder sehen in ihr schlicht noch keinen konkreten Nutzen. Vor allem in der Arbeitswelt zeige sich jedoch, dass die Hälfte der Erwerbstätigen KI bereits im Job nutzt. „Die Sorgen der Bevölkerung richten sich vor allem auf Falschinformationen, fehlende Regeln und Kontrolle, Datenschutz, Intransparenz und Machtkonzentration.“