Am Schaumberg wächst das Landhausquartier sichtbar heran. Beim Richtfest und der Grundsteinlegung für das Betreute Wohnen wurden gleich zwei wichtige Etappen gefeiert.
Aufmerksam stehen Wolfgang Hermann und seine Frau vor den Plänen, auf denen die künftige Aufteilung des Areals zu sehen ist. Das Ehepaar aus Losheim nimmt sich Zeit, betrachtet die einzelnen Gebäude und Bereiche. „Wir wollten einfach mal sehen, wie es geplant ist, wie es konzipiert wird“, erzählt Wolfgang Hermann später. Die Lage am Schaumberg gefällt ihm, ebenso die überschaubare Größe. Sein erster Eindruck: „Ich denke, das ist durchdacht.“
Ob das Landhausquartier eines Tages für ihn oder seine Frau selbst infrage kommen könnte, lassen beide offen. Das hänge davon ab, wie sich das Leben entwickele, sagt Hermann. Sollte irgendwann einer von beiden allein zurückbleiben, könne eine andere Wohnform durchaus zum Thema werden. Eine Frage, die mit zunehmendem Alter für viele Menschen relevant wird: Wie lässt sich Unterstützung organisieren, ohne dafür die vertraute Umgebung verlassen zu müssen?
Am Schaumberg ist inzwischen deutlich zu erkennen, welche Antwort die Projektpartner darauf geben wollen. Wo bei der Grundsteinlegung am 26. Juni noch viel Vorstellungskraft gefragt war, ragt heute ein großer Holzbau hinter den Gästen auf. Gerüste ziehen sich an der Fassade entlang, Fenster sind eingesetzt, ein Kran überragt das Gelände. Nur 13 Wochen nach der Grundsteinlegung wird bereits Richtfest gefeiert. Gleichzeitig beginnt mit der Grundsteinlegung für das benachbarte Betreute Wohnen der nächste Bauabschnitt.
Rund 1.000 Kubikmeter Holz seien inzwischen verbaut worden, berichtet Thoralf Bäring, Geschäftsführer von exsos. Der Holzbau ist fertiggestellt, das Dach geschlossen und abgedichtet. Trockenbau und Fassadenarbeiten laufen, Installateure, Elektriker und Fensterbauer sind bereits im Einsatz. Viele Gewerke arbeiten parallel. Wer regelmäßig am Schaumberg vorbeikommt, kann beinahe täglich Veränderungen beobachten.
In der vertrauten Umgebung bleiben
Gebaut wird in Massivholzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad. Vorgesehen sind unter anderem Wärmepumpen und Photovoltaik. Die Gebäude sollen nach Angaben der Projektpartner ein DGNB-Basiszertifikat in Platin erhalten. Hinter diesen technischen Details steht eine größere Aufgabe. Mit einer älter werdenden Bevölkerung wächst auch der Bedarf an Wohnformen, die Pflege und Unterstützung ermöglichen, ohne ältere Menschen zwangsläufig aus ihrem bisherigen Lebensumfeld herauszulösen. Gerade im ländlichen Raum sieht Bäring zusätzlichen Bedarf an Pflegeinfrastruktur. Menschen sollten auch dann in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, wenn sie Unterstützung benötigen, „wo sie ihr Leben leben, wo sie ihre Familien haben, wo sie gearbeitet haben“.
Genau darauf ist das Landhausquartier ausgerichtet. Im ersten Teil des ersten Bauabschnitts entstehen eine stationäre Seniorenwohngemeinschaft mit 55 Pflegeplätzen sowie 16 Wohnungen für Betreutes Wohnen. Die Eröffnung ist für Sommer 2027 vorgesehen. Im Herbst 2027 soll der zweite Teil des ersten Bauabschnitts mit einer weiteren Seniorenwohngemeinschaft und ambulanter Versorgung folgen. Für das Gesamtprojekt weisen die aktuellen Unterlagen 52 ambulant versorgte Einheiten aus.
Weitere Angebote sollen das Quartier später ergänzen. Für einen nächsten Bauabschnitt befinden sich unter anderem Bungalows mit Servicewohnen, Urlaubswohnen, Mitarbeiterwohnungen und Wohnmobilstellplätze in der Konzeption. Damit sollen unterschiedliche Wohn- und Unterstützungsformen an einem Standort zusammenkommen.
Holz steht für Wachstum und Leben
Chantal Ostermann, Mitglied der Geschäftsleitung der Victor’s Group und der Landhaus Seniorenwohngemeinschaften, begleitet das Projekt von Beginn an. Erfahrungen aus gemeinsamen Projekten mit exsos in Thüringen waren ein wichtiger Impuls dafür, das Landhauskonzept auch ins Saarland zu bringen.
Nun stehen die ersten Gebäude bereits vor ihr. Das verwendete Holz ist für Ostermann nicht nur nachhaltiges Baumaterial, sondern zugleich ein Symbol „für Wachstum, für Leben und für eine blühende Zukunft“. Besonders dankt sie den Handwerkern und Zimmerleuten für ihre Arbeit. „Man merkt einfach, dass hier nicht nur ein Haus gebaut wird, sondern ein Zuhause.“
Die stationäre Seniorenwohngemeinschaft soll 55 älteren Menschen aus Tholey und Umgebung ein neues Zuhause bieten. Landhausstil und moderne technische Ausstattung werden mit pflegerischer sowie medizinischer und therapeutischer Versorgung verbunden. Veranstaltungen und gemeinsame Aktivitäten gehören ebenfalls zum Konzept.
Nebenan entstehen 16 Wohnungen für Betreutes Wohnen mit ein bis drei Zimmern, Balkon oder Terrasse sowie einem Notrufsystem. Serviceleistungen und Veranstaltungen sind vorgesehen. Wird Unterstützung benötigt, kann eine pflegerische Versorgung durch den ambulanten Dienst hinzukommen.
Auch personell laufen bereits die Vorbereitungen für die Eröffnung. Ostermann stellte beim Richtfest den künftigen Residenzleiter Herrn Schmelzer vor. Gemeinsam wolle man das Haus später „mit Leben und Lachen und wundervollen Erinnerungen“ füllen.
Ein integriertes Café soll einen Ort der Begegnung schaffen und Generationen miteinander verbinden. Gleichzeitig bringt das Projekt Beschäftigung in die Region. Für den ersten Bauabschnitt rechnen die Projektpartner mit rund 80 Arbeitsplätzen und zwölf Ausbildungsplätzen jährlich.
Für Bürgermeister Andreas Maldener berührt das Projekt damit eine wichtige Zukunftsfrage ländlicher Gemeinden. „Es geht um das Thema Wohnen im Alter“, sagt er. Dabei gehe es nicht allein um Pflege oder Betreutes Wohnen, sondern auch darum, wohnortnahe Angebote zu schaffen, wenn das Leben in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist.
Die Lage am Fuße des Schaumbergs verbindet für ihn Natur und Erreichbarkeit. Eine Bushaltestelle befindet sich in unmittelbarer Nähe, auch Freizeitmöglichkeiten sind schnell erreichbar. Maldener hebt zudem die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Victor’s Group und exsos hervor. Mit der Firma Backes ist auch ein regionales Unternehmen an den Tiefbauarbeiten beteiligt.
Vorsorge mit persönlicher Perspektive
Wolfgang Hermann betrachtet das Projekt noch aus einem anderen Blickwinkel. Er kommt selbst aus der Branche und ist mittlerweile im Ruhestand. Deshalb interessieren ihn neben Lage und Wohnangebot auch Kosten, Pflege und das Gesamtkonzept. Und noch eine Möglichkeit möchte er nicht ausschließen: eine Investition.
Bei ausgewählten Gebäuden können private Anleger eine Einheit erwerben. Nach Angaben der Projektpartner ist damit ein bevorzugtes Belegungsrecht für den Käufer und dessen Familie an den Standorten der Victor’s Group verbunden. Neben der Investition eröffnet das Modell damit auch eine Option für die eigene Familie, sollte später ein entsprechender Bedarf entstehen.
Für Hermann ist noch nichts entschieden. „Das ist der zweite Schritt“, sagt er über eine mögliche Investition. Zunächst möchte er das Projekt kennenlernen und sich über die Details informieren.
Während auf dem Gelände über Pflege, Wohnen und Investitionen gesprochen wird, hinterlassen die jüngsten Gäste bereits ganz konkrete Spuren. Kinder der Kindertagesstätte „Zauberwald“ begleiten das Fest mit einem musikalischen Beitrag. Auf einer hölzernen Grundsteinplatte haben sie außerdem ihre Handabdrücke verewigt.
Die Platte soll später gut sichtbar im Bereich des Treppenaufgangs angebracht werden. Dahinter steckt eine Tradition von exsos: Vielleicht besucht eines der Kinder viele Jahre später Eltern oder Großeltern im Landhaus und entdeckt dort den eigenen Handabdruck wieder. „Ich war von Anfang an dabei“, beschreibt Bäring diesen Gedanken.
Erinnerungen unter Verschluss
Dann folgt die Grundsteinlegung für das Betreute Wohnen. Eine Kupferhülse wird mit Dingen gefüllt, die diesen 24. September 2026 dokumentieren sollen: einer Urkunde mit Angaben zum Projekt und seinen Beteiligten, einer verkleinerten Bauzeichnung, der aktuellen Ausgabe der „Saarbrücker Zeitung“ und Münzen.
Neben Euromünzen kommen auch dänische Kronen hinein. Sie verweisen auf die dänischen Wurzeln von exsos. Nach Bärings Darstellung reichen diese bis ins Jahr 1988 zurück. Aus dem damaligen Beratungskontext entwickelte sich das heutige Tätigkeitsfeld rund um Projektentwicklung und Bau. Anschließend wird die Hülse geschlossen und später verlötet.
Zum Abschluss richtet sich der Blick noch einmal auf den Holzbau. Zimmermann Michal Tugi spricht den traditionellen Richtspruch. Für Bäring ist dieser Augenblick auch persönlich etwas Besonderes. Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren erhielt er selbst seinen Gesellenbrief als Zimmermann. „Wir mit unserer Hände Arbeit schaffen hier wirklich Werte, die sichtbar sind“, sagt er. Besonders wichtig sei ihm, dass die Arbeiten bislang unfallfrei verlaufen seien.
Nach dem Richtspruch greift Chantal Ostermann zum Hammer und schlägt den Richtnagel ein.
Danach geht es für viele Gäste erstmals hinein in den Neubau. Noch sind Wände offen, Handwerker bestimmen das Bild, manches lässt sich erst erahnen. In rund elf Monaten sollen die Handwerker ihre Arbeiten am Gebäude abgeschlossen haben. Die Eröffnung ist für Sommer 2027 geplant. Für Ostermann entscheidet am Ende nicht allein die Architektur darüber, ob aus einem Gebäude ein Zuhause wird: „Es sind vor allem die Menschen, die dieses Haus bauen, die Menschen, die hier arbeiten und wohnen werden, und die Menschen, die unsere Gemeinschaft unterstützen.“ Wolfgang Hermann und seine Frau nehmen nicht nur Eindrücke mit nach Losheim. Bei der anschließenden Investorenveranstaltung haben sie bereits eine für sie interessante Einheit ins Auge gefasst. Nun wollen sie das Vorhaben gemeinsam mit ihren Töchtern besprechen. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen, doch aus dem ersten Interesse ist an diesem Tag eine konkrete Perspektive geworden.