Die USA wollen den Export von Diesel auszusetzen, um vor den Wahlen die hohen Spritpreise in den Griff zu bekommen. Für Deutschland könnte dies unabsehbare Auswirkungen haben.
Donald Trump steht unter Druck: Der US-Präsident ist wenige Wochen vor den Midtermwahlen in den USA in Umfragen auf einem Tiefstand seiner Beliebtheitswerte. Einer Erhebung von Real Clear Polling zufolge, die zahlreiche Umfragen auswertet und mittelt, stimmen seiner Politik nur noch knapp 39 Prozent der US-Amerikaner zu. CNN ermittelte gar nur noch 33 Prozent.
Wahlgeschenk vor den US-Midterms
Dies könnte ein Grund sein, warum der US-Präsident nun die US-Dieselexporte stoppen will. Trump verspricht sich davon ein größeres Dieselangebot und niedrigere Preise im Inland – zumindest kurzfristig. Republikaner in besonders umkämpften Staaten wie Alaska würden eine solche Entscheidung begrüßen. Dort sei der Preis für eine Gallone Diesel in einer Gemeinde kürzlich auf 26 Dollar gestiegen, umgerechnet wären dies sechs Euro pro Liter, berichtete „Newsweek“. Seit Wochen steigen in den USA die Dieselpreise. Die Auswirkungen auf die so wichtige Branche der Trucker, von denen viele selbstständig mit eigenem Truck und auf eigene Rechnung auf den Highways unterwegs sind, sind dementsprechend gravierend. Gründe sind der Irankrieg, blockierte Transportrouten im Nahen Osten und in der Folge fehlender Diesel auf den Weltmärkten. Trump dagegen behauptet, dies habe vor allem mit den ukrainischen Angriffen auf russische Öldepots und -raffinerien zu tun. Infolge der Angriffe hat Russland seine Benzinexporte gestoppt. Diese Angriffe laufen allerdings bereits seit August 2025; Russland stoppte den Spritexport im Sommer dieses Jahres, was den Preis vor allem in den Hauptabnehmerländern Zentralasiens und im Kaukasus hochtrieb, nicht jedoch den Weltmarktpreis.
Nun prüft das US-Finanzministerium unter Scott Bessent, ob ein solcher Exportstopp umsetzbar wäre. Ob das tatsächlich den erforderlichen Effekt hat, ist jedoch umstritten. Regierungsmitglieder äußerten ebenfalls Bedenken bei diesem Schritt, der bislang beispiellos in der US-amerikanischen Geschichte wäre. Energieminister Chris Wright warnte, ein Exportstopp könne zunächst zu einem Dieselüberschuss an der US-Golfküste führen. Das könnte Raffinerien dazu veranlassen, ihre Produktion zu drosseln, mit weitreichenden Folgen. Somit könnten zugleich die Benzinproduktion und das gesamte heimische Kraftstoffangebot sinken – mit möglichen Preissteigerungen insbesondere an der Ost- und Westküste, die ihre Treibstoffe in der Regel aus anderen US-Regionen beziehen.
Denn Raffinerien produzieren nicht nur Diesel, sondern gleichzeitig auch Benzin, Kerosin und chemische Vorprodukte. Wenn nun der wichtige Absatzmarkt im Ausland wegfällt, könnten sich die Lager in den USA schnell füllen. Dann müssten Raffinerien ihre Auslastung verringern und weniger produzieren. Trump bezeichnete dies Presseangaben zufolge als „Dezember-Problem“.
Entsprechend äußerte sich auch der US-Branchenverband der Ölproduzenten. Die Idee sei „gut gemeint“, hätte jedoch massive Folgen für die gesamte Branche und die Verbraucher. „Exportbeschränkungen würden Engpässe von den Raffinerien bis zu den vorgelagerten Produzenten verursachen, die Preise vieler inländischer Produkte erhöhen und unsere Energiesicherheit schwächen“, so Anne Bradbury, CEO des American Exploration and Production Council. Die Rekordproduktion von Öl im Inland habe bislang dazu beigetragen, dass sich die USA als größter Diesellieferant auf dem Weltmarkt etabliert haben „und die Einzelhandelspreise während dieser beispiellosen Krise nicht noch weiter gestiegen sind“, so Bradbury in einer Pressemitteilung. „Die Politik sollte diesen kurzsichtigen Ansatz ablehnen und sich stattdessen auf Lösungen konzentrieren, die die Benzinpreise tatsächlich senken.“
Für das Ausland wäre eine Ausfuhrbegrenzung oder ein kompletter Stopp ein verheerendes Signal. Der Benzin- und Dieselpreis in Deutschland hängt unter anderem an der verfügbaren Gesamtmenge und damit an dem üblichen Mechanismus von Angebot und Nachfrage. Laut dem Branchenreport der Energiemarktbeobachter von Argus laufen die US-Raffinerien derzeit auf Hochtouren, um die wegen des Irankrieges ausgefallene Menge aus dem Nahen Osten zu ersetzen. Die USA gehören zu den wichtigsten erdölexportierenden Ländern der Welt und exportieren zirka 1,5 Millionen Barrel täglich. Fallen diese Mengen für den Weltmarkt weg – und aufgrund des Krieges fehlen schon jetzt mehrere Millionen Barrel täglich von der arabischen Halbinsel – , könnte dies den Dieselpreis in Ländern verteuern, die strukturell auf Importe angewiesen sind. Dazu gehören unter anderem Europa, aber auch US-Regionen an der Ostküste ohne Raffinerien.
EU drängt auf gemeinsame Aktion
In Deutschland würde dieser Schritt auf eine ohnehin angespannte Energiepreissituation mit Blick auf den kommenden Winter und halbleere Gasspeicher treffen. Deutschland aber verfügt über Reserven, Preiserhöhungen hingen dann von Dauer und Umfang des Exportstopps ab. Die europäischen Lagerbestände für Benzin und Diesel, insbesondere an den Lager- und Umschlagplätzen in den Niederlanden Amsterdam, Rotterdam und im belgischen Antwerpen, sind nach Branchenangaben für die Jahreszeit sehr niedrig. Deshalb hält die Europäische Union Trumps Vorhaben für eine „schlechte Idee“, so ein EU-Sprecher auf einer Pressekonferenz, und zwar für die USA wie auch die EU. Die Union drängt daher auf gemeinsame Schritte, um die Preise zu begrenzen. Denn überall in der EU sind diese kräftig gestiegen. Da die europäischen Länder auf hohe Importzahlen an Benzin und Diesel angewiesen sind, würde ein US-Exportstopp die gesamte Warenkette empfindlich treffen. Es wäre ein direkter Anschlag auf eine ohnehin bereits gestörte Lieferkette. Mit bislang unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft.