Fliegende Farben, leuchtende Perlen, leidenschaftliche Gespräche: Mit ihrem Kreativstudio „The Space“ hat Hannah Mönch einen Nerv getroffen. Dabei hätte sie wohl am allerwenigsten mit diesem Erfolg gerechnet.
Unter ihrem Fingernagel hängt noch ein bisschen Farbe. „Wir hatten hier gerade noch ein Actionpainting“, erzählt Hannah Mönch mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Nachfrage dieser – wie der Name bereits verrät – actionreichen Kunstform, bei der Farbe, Schwämme und Co. auch gerne mal mit Vollspeed durch den Raum auf eine große Leinwand geworfen werden, nimmt kontinuierlich zu. „Unsere Highlights sind aber weiterhin die Sip’n’Paint-Abende“, verrät die junge Frau. Mit denen hat ja auch alles angefangen. Damals, als an das frisch renovierte Kreativstudio „The Space“ in der Saarbrücker Großherzog-Friedrich-Straße noch niemand gedacht hatte – schon gar nicht Hannah.
Der Mädels-Abend ging viral
Damals, 2024, gab es in den sozialen Medien einen regelrechten Boom solcher Kreativ-Events. „Meine Mädels und ich hatten da total Lust drauf und wollten das hier auch machen – denn im Saarland gab es das so noch nicht“, sagt sie. Also stürzte sich die gelernte Marketingmanagerin in die Arbeit, besorgte Farben, Leinwände, Getränke, organisierte eine Location, Musik und 30 Freundinnen, die Lust auf einen unvergesslichen Abend haben. „Ein paar Mädels haben dann davon auf Social Media gepostet und so ging das dann viral“, erinnert sie sich. „Und dann haben mich ganz viele Leute angeschrieben, wann noch mal sowas stattfindet. Sogar eine Location hatte angefragt, ob wir es das nächste Mal bei ihnen ausrichten möchten.“ Dabei war ein nächstes Mal zu dieser Zeit noch gar nicht das Ziel gewesen. „Das sollte ein einmaliger Mädelsabend mit meinen Mädels werden. Ich hatte nie den Plan, ein Unternehmen zu gründen oder Veranstaltungen zu organisieren. Das Ganze ist einfach aus einem riesengroßen Zufall entstanden“, lacht sie.
Ein Zufall allerdings, der ziemlich schnell nach mehr verlangte. Aus einem Abend wurden mehrere. Aus einzelnen Veranstaltungen ein Eventkalender, der sich Woche für Woche füllt. Heute sind die Events im „The Space“ in kürzester Zeit ausgebucht. Dass die Nachfrage einmal so groß werden würde, hätte Hannah selbst nicht erwartet. „Ich bin bis heute überrascht“, gibt sie zu. „Es ist immer noch verrückt, wie schnell das Ganze gewachsen ist.“
Aus einem reinen Sip’n’Paint-Angebot entwickelte sich ein Portfolio aus den unterschiedlichsten Events. Zwar sind die Sip’n’Paint-Abende nach wie vor der unangefochtene Renner, dicht gefolgt von den Mädels-Flohmärkten, die Hannah regelmäßig in unmittelbarer Nähe ihrer Räumlichkeiten, nämlich in der Mainzer Straße veranstaltet, doch auch das Actionpainting holt auf. Vielleicht, weil hier ausnahmsweise nicht filigran gearbeitet werden muss, sondern mit Schwung gegen die Leinwand geschleudert werden darf. Kleckern ausdrücklich erwünscht. „Das gibt es so in Saarbrücken bisher einfach nicht“, sagt Hannah.
Neue Formate findet Hannah ganz spontan. Manchmal laufen sie ihr einfach über den Weg, sagt sie. So wie Angie, die zunächst als Teilnehmerin zu einem der Flohmärkte kam und Hannah dort von ihrem selbstgemachten Schmuck erzählte. Schon länger hatte sie überlegt, daraus mehr zu machen – wusste nur nicht so recht, wie. Heute veranstalten die beiden gemeinsam Schmuck-Workshops.
Ein sozialer Safe Space für alle
Menschen zusammenzubringen, ist ohnehin ein zentraler Teil von Hannahs Idee. Besonders sichtbar wird das bei „Find your Bestie“. Das Prinzip erinnert ein wenig an Speeddating – nur wird hier nicht nach der großen Liebe, sondern nach einer neuen Freundin gesucht. Das Format richtet sich derzeit bewusst ausschließlich an Frauen. „Wir wollen damit einen Safe Space schaffen, in dem sich die Frauen wohlfühlen können“, erklärt Hannah. Dass viele der Veranstaltungen in den sozialen Medien zunächst wie klassische „Mädelsabende“ wirken, bedeutet allerdings nicht, dass Männer draußen bleiben müssen. Im Gegenteil. „Es kommen immer mehr Männer zu uns“, erzählt sie. Gerade beim Actionpainting sei die anfängliche Skepsis oft schnell verflogen. „Danach kommt eigentlich immer das gleiche Feedback: ,Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Spaß macht.‘“
Ohnehin soll „The Space“ kein Ort für eine bestimmte Art von Mensch sein. Niemand muss besonders künstlerisch sein, niemand einen perfekten Pinselstrich beherrschen. „Die Räumlichkeiten und unsere Veranstaltungen sind für alle da“, sagt sie. „Wir wollen niemanden ausschließen.“ Besonders stolz ist sie daher auch darauf, dass immer häufiger Menschen ohne Begleitung zu ihren Veranstaltungen kommen. „Also was könnte ein größeres Kompliment sein, als dass sich Leute hier so sicher fühlen, dass sie alleine kommen?“, sagt sie nicht ohne Stolz in der Stimme.
All das stemmt Hannah allein – und parallel zu ihrem Hauptberuf. Dabei ist das einstige Herzensprojekt mittlerweile weit mehr als ein kleines Hobby. Zwischen Eventplanung, Materialeinkauf, Buchhaltung, Ticketverkauf, Auf- und Abbau, Social Media und den eigentlichen Events bleibt kaum eine ruhige Minute. „Viele unterschätzen total, wie viel hinter so einem Event steckt“, sagt sie. „Eigentlich ist das ein kompletter Fulltime-Job. Das Event selbst ist am Ende fast der kleinste Teil.“
Für Hannah steckt die Liebe im Detail. „Mir ist wichtig, dass hier besondere Erlebnisse entstehen und nichts Alltägliches“, betont sie. Die Menschen sollen Spaß haben, neue Leute kennenlernen, kreativ werden.
Kreativität ist für die 25-Jährige ein Riesenthema. „Eigentlich kann man sein gesamtes Leben kreativ gestalten“, sagt sie. Die eigene Wohnung, die Art zu leben, selbst das Essen auf dem Teller. „Kreativität ist für mich nicht nur Kunst.“
Eine kreative Familie
Dass sie einmal beruflich in diesem Kosmos landen würde, erscheint rückblickend fast folgerichtig. Schon ihr Elternhaus war kreativ geprägt. Ihr Vater ist Fotograf, Musiker und Künstler, auch ihre Mutter beschreibt Hannah als kreativen Menschen. „Ich kenne es eigentlich gar nicht anders“, sagt sie und lacht. Ihr Kopf sei ein „kreatives Chaos“. Eines, das ständig Ideen produziert, neue Möglichkeiten sieht und offenbar nur schwer stillsteht. „Aber ich liebe das so. Ich könnte mir gar kein anderes Leben vorstellen“, sagt sie.
Vielleicht erklärt dieses „kreative Chaos“ auch ein Stück weit, wie aus einem einzigen Mädelsabend innerhalb kurzer Zeit ein eigenes Studio werden konnte. Denn lange überlegen, alle Eventualitäten abwägen und erst handeln, wenn wirklich jedes Risiko kalkuliert ist – das ist nicht unbedingt Hannahs Art. Gestartet im Studio ihres Vaters, dachte sie nicht lange nach, als sich die Möglichkeit ergab, eigene Räumlichkeiten zu übernehmen. Erst danach setzte sie sich hin und fragte sich, was es eigentlich bedeutet, plötzlich einen eigenen Laden zu haben. „Ich bin froh, dass ich an vieles sehr naiv rangegangen bin“, sagt sie heute. Hätte sie vorher über jede Konsequenz nachgedacht, wäre manches womöglich nie passiert.
Frei von Selbstzweifeln ist die junge Unternehmerin dennoch nicht. „Natürlich habe ich manchmal auch Angst“, gibt sie offen zu, „aber die Menschen, die das Ganze hier unterstützen und mein Umfeld tragen mich so sehr. Immer wenn ich kurz Zweifel habe, kommt eine liebe Instagram-Nachricht rein oder hier stehen wieder tolle Menschen vor mir.“ Dann seien die Zweifel plötzlich ein bisschen kleiner und die Richtung klar: weiter!
Kein Wachstum um jeden Preis
Stillstand dürfte ohnehin schwierig werden. Dafür ist in diesem „kreativen Chaos“, das Hannah ihren Kopf nennt, noch zu viel los. „Da sind einfach noch zu viele Ideen und zu viel Feuer, das irgendwie raus muss“, lacht sie. Neue Workshops, neue Eventformate, irgendwann womöglich der Schritt über die Grenzen des Saarlandes hinaus, ein zweiter Standort vielleicht. Einige Ideen seien bereits in Planung. Doch so schnell „The Space“ in den vergangenen zwei Jahren gewachsen ist, soll es nun nicht um Wachstum um jeden Preis gehen. „Mir ist wichtig, nachhaltig zu wachsen und dabei den Standard und die Qualität halten zu können“, sagt sie. Ihre Materialien sind stets hochwertig, seien es Farbe, Leinwände oder auch echt vergoldete Perlen bei den Schmuck-Workshops. Auch Massenabfertigung soll es bei ihr nicht geben. Die Plätze bei den Veranstaltungen bleiben bewusst begrenzt, damit Hannah oder ihr Team für die Menschen da sein können. „Ich möchte, dass ich die Leute bei einem Event persönlich betreuen kann. Es soll für jeden etwas Besonderes bleiben“, betont sie.
Diese Philosophie liegt ihr auch bei ihrem Team am Herzen, das aus einer Handvoll Frauen besteht, die sie bei Events unterstützen. „Ich schaue da ganz genau“, sagt sie. „Das ist schließlich mein Baby. Und das, was ‚The Space‘ für mich ausmacht, muss erhalten bleiben.“
Dass ausgerechnet sie einmal in ihrem eigenen Laden mit einem Kalender voller ausgebuchter Events über eine mögliche Expansion sprechen würde, hätte Hannah an jenem ersten Abend 2024 wohl selbst am wenigsten geglaubt. Damals waren da 30 Mädels, ein paar Leinwände, Getränke und die Idee, gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen. Heute folgen „The Space“ über 5.000 Menschen in den sozialen Medien. Hannah wird als Speakerin zu Events eingeladen, Menschen sprechen sie an und erzählen ihr, dass sie ihre Geschichte schon lange verfolgen. „Manchmal habe ich richtige Pinch-me-Momente“, sagt sie. „Dann denke ich: Oh Gott, das ist jetzt wirklich Wirklichkeit.“
Von diesen Momenten wird es vermutlich noch einige in der Geschichte von Hannah und „The Space“ geben. Denn fertig ist sie noch lange nicht. Dafür brennt in ihr noch viel zu viel Feuer – und viel zu viele Ideen.